Freitag, 4. Juli 2008

Tag 9: Gdynia/Danzig

Wir liefen wie jeden Morgen sehr früh im nächsten Hafen ein. Diesmal in Gdynia, dem Seehafen von Danzig. Wir standen auf unserem Balkon und sahen fasziniert zu, wie wir langsam an der Queen Victoria entlangglitten. Ein weiteres Schiff, das noch größer ist als unseres.
Unser Ausflug nach Marienburg und Danzig startete um 8 Uhr und diesmal hatten wir absolutes Pech mit dem Bus. Bisher waren wir immer in einem angenehm klimatisierten Bus irgendwo in der Mitte Platz gefunden. Nun saßen wir zu fünft eingepfercht in der allerletzten Reihe und es war warm. Die Klimaanlage reichte nicht bis nach hinten und draußen sollte es heute richtig warm werden. Meine Laune sank gewaltig.
Dazu kam noch unser mitteilsamer Reiseleiter Stanislaw, der es sicher gut meinte, aber es war einfach zu viel. Und jeden dritten Satz begann er mit „meine Damen und Herren“. Dazu das Geschaukele vom Bus und mein Hasskäppchen wurde dunkelrot.
Nach einer schier endlosen Fahrt von etwas über einer Stunde, kamen wir an der Marienburg an. Ein mächtiges braunes gemauertes Gebäude. Wenn ich mich recht erinnere, wurde etwas von 800m Länge erzählt.
Bei der Führung durch die Burg hielt ich mich am Ende der Gruppe auf und konzentrierte mich aufs Fotografieren. In den Räumen durfte man nur mit Genehmigung fotografieren, aber wir hatten gar keine Möglichkeit (Zeit) sie uns zu besorgen. Das fand ich jetzt auch nicht ganz so tragisch. Das Innere gefiel mir persönlich nicht so gut oder sagen wir so, ich fand es nicht so Außergewöhnlich, dass ich es fotografieren musste. Dafür haben es mir die Fensterbögen in einem Innenhof angetan und ich hab versucht künstlerisch wertvolle Fotos zu machen.
Bei diesem Ausflug war das Mittagessen inklusive und im Anschluß an die Führung wurden wir in eine ehemalige Kapelle geführt, wo sich jetzt ein Restaurant befindet. Hundertprozentig begeistert war ich darüber nicht, da ich in Bezug auf Essen etwas Schniksch sein kann. Es war aber alles im grünen Bereich und es war sehr reichlich. An der Suppe und der etwas undefinierbaren Nachspeise (war es Eis oder ein Stück gekühlte Cremetorte?) hatte ich nichts zu mäkeln, allerdings musste ich den Batzen Fleisch, der als Hauptspeise gereicht wurde, ziemlich sezieren, da ich nichts Durchwachsenes mag.
Auf dem Weg nach Danzig hielt der Bus kurz nach der Abfahrt noch einmal an, damit wir ein schönes Foto von der gesamten Burg machen konnten. Ich war die Einzige, die sich aus der hinteren Bank schälte und dafür durfte ich die anderen Fotoapparate mitnehmen und das Beweisfoto machen.
Danzig gefiel mir sehr gut. Richtig hübsche restaurierte Häuser. Hier wäre ich gerne auf eigene Faust herumspaziert, damit ich an manchen Orten hätte länger verweilen können. So wurden wir in gewohnter Weise durch die Straßen gescheucht und standen immer wieder als Menschentraube an verschiedenen Stellen und blockierten die engen Straßen. So wie alle anderen Reisegruppen. Außerdem war an diesem Tage auch noch eine Sportveranstaltung, so dass die Innenstadt richtig voll war.
Zum Ende des Spaziergang hieß es dann, wir könnten in einem Bernsteingeschäft beim Schleifen zuschauen und dafür hätten wir eine halbe Stunde Zeit. Dazu hatten die meisten aber keine Lust, wir inklusive, und wir drückten uns in der Nähe herum und suchten eine Toilette auf (vom „Feinsten“ trotz ordentlicher Gebühr) bis uns Stanislaw wieder eingesammelt hat.
Auf dem Rückweg fuhren wir durch Sopot, leider nicht an der Uferstraße entlang, und in Gdynia drehte er noch eine kleine Runde am Hafen, wo ich es schade fand, dass wir dort nicht das halbe Stündchen verbracht haben. Ich könnte stundenlang in Häfen herumschlendern und mir die Fischerboote und Yachten anschauen.
Was mir in Polen auch noch aufgefallen ist: hier haben sie die gleiche großformatige Werbung wie in den USA. Dazu richtig moderne große Supermärkte auf der grünen Wiese. Die haben wir in unserer Umgebung nicht.
Um 18 Uhr war wieder Abendessen in der Weiten Welt angesagt, wo uns die Kellner schon freudig empfingen und uns an einen Achtertisch geleiteten. Eine Weile später setzten sich zwei Paare zu uns (aus Ingolstadt und Berlin) und es wurde ein extrem amüsanter Abend und der Wein floss in Strömen. Bei den aufmerksamen Kellnern wurden die Gläser auch nie leer.
Trotz des erhöhten Alkoholpegels wollte ich mir dann aber nicht die Volksbelustigung im Atrium antun, unter dem Motto: „Alpenglühn“ . Das fand ich irgendwie völlig daneben. Trachten und Jodeln in der Ostsee. Geschmäcker sind doch sehr verschieden...


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